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aus Vater aller Dinge - Mutter aller Leiden, Zeichnung/Dia-Projektion, Karin Hoerler, work in progress

 

Vater aller Dinge - Mutter aller Leiden
Als Kind hatte ich eine der Folgen des 2. Welt- krieges täglich vor Augen – meinem Vater fehlten Fingerglieder und die Füße, erfroren und amputiert im Winter 1942 in Rußland. Dies geschah kurz vor seinem 21. Geburtstag.
In meiner Arbeit stelle ich Fragen an meinen Vater - ihm, der dem Naziregime seine körper-
liche Unversehrtheit opferte, der aber auch Täter war. Er war als deutscher Soldat Teil einer Mordmaschinerie, die über Europa herfiel.
Ich habe ein Fotoalbum meines Vaters geerbt, welches ihn in der Hitlerjugend, beim Reichs-
arbeitsdienst, in der Wehrmacht und dann als Kriegsversehrten zeigt. Ebenso erbte ich Fotografien meiner Mutter als Schwester im deutschen Kriegslazarett in Krakau.
In meinen Zeichnungen möchte ich mehr da- rüber erfahren, was meine Eltern und deren Zeitgenossen zu einem Eingebundensein in ein faschistisches System verführt hat. Wie sie sich eingliedern ließen in ein Ornament von Gewalt, welches sie nicht durchschauen wollten und für welches sie die Verantwortung ablehnten. Mit meiner ornamentalen Collagetechnik verdeut-
liche ich mir das groteske Bemühen des Einzelnen, um jeden Preis Teil dieser “Volks-
gemeinschaft” zu sein. Der Einzelne wurde aufgefordert seine persönlichen Werte, seinen Willen und seine Eigenverantwortung an eine Führung abzugeben .
Angesichts der gerade beginnenden Weltwirt- schaftskrise ein aktuelles Thema - was kann Menschen dazu veranlassen in Zeiten wirt- schaftlicher Not demokratische Regierungs- formen abzulehnen und einem Führer zu folgen. In vielen Ländern Europas sind die Faschisten wieder auf dem Vormarsch..